Abenteuer Meer

36. Im Meer baden.

 

Ich sitze gerade alleine zu Hause und höre den Sommerregen draußen prasseln. Es ist so richtig gemütlich hier drin und ich habe ein wenig Ruhe, um in Erinnerungen an den Griechenlandurlaub zu schwelgen. Das Album ist bereits fertig bestückt und steht mit all meinen Lieblingsfotos im Schrank. Es fühlt sich schon wieder so weit weg an, dieser Urlaub. Deshalb träume ich jetzt einfach noch ein bisschen von freien Tagen, Meer und Sonnenschein. Magst du mit mir träumen?

An unserem ersten Tag auf der Insel Euböa haben wir erst einmal in Ruhe vor unserer süßen kleinen griechischen Hütte mitten im Nirgendwo gefrühstückt. Es gab leckeren griechischen Joghurt mit Früchten und griechischem Honig.

 

Nach dem Frühstücken haben wir all unsere Strandsachen in den Rucksack geworfen und uns hinters Steuer geschwungen. Unser Ziel war ein ungefähr fünf Kilometer entfernter Strand. Laut Karte sollte bis direkt an den Strand eine Landstraße führen und so waren wir guter Dinge, dass es nur ein paar Minuten sind bis zur erfrischenden Abkühlung. Leider hatten wir dabei folgendes nicht bedacht: Landstraßen auf Euböa sind mit einem normalen Auto nicht befahrbar und schon gar nicht mit einer so kleinen Knutschkugel wie es unser Mietwagen ist. Wir scheiterten also nach ca. einem Kilometer an den Straßenverhältnissen und stellten unser Auto resigniert am Straßenrand ab.  

 

Rucksack auf den Rücken, Sonnenhut auf dem Kopf und Abmarsch. Es wäre doch gelacht, wenn wir nicht trotzdem zu diesem Strand kommen. Vier Kilometer sind eigentlich nicht viel, doch ziemlich unwegsames Gelände, Mittagssonne und ein schwerer Rucksack machten die ganze Sache nicht unbedingt leichter. Es ging bergauf und bergab, gefühlte Ewigkeiten. Schließlich bogen wir um eine Kurve und hatten einen atemberaubenden Ausblick auf eine kleine Bucht mitten zwischen Felsen. Eine Bucht mit glasklarem, blauem Meer und hellem Sandstrand. Das gab uns für den letzen Abstieg noch einmal die richtige Motivation.  

 

Wir fanden einen schönen schattigen Platz nahe der Felsen und machten es uns gemütlich. Dann ging es rein in das kühle Nass. Das hatten wir uns redlich verdient.  

Ich mag baden generell nicht so gerne und im Meer baden eigentlich doppelt nicht. Das Salzwasser brennt auf meiner Haut und ist irgendwie nicht so mein Ding. Also war ich schon sehr lange nicht mehr im Meer baden. Deshalb steht das mit auf meiner Liste, damit ich das nochmal ausprobiere und überprüfe, ob es wirklich so schlimm ist wie ich immer gedacht habe.

 

Als ich heute meinen großen Zeh ins Wasser gehalten habe und nach Luft schnappen musste, dachte ich meine Theorie sei eindeutig bestätigt. Das Ziel lautete aber nun mal nicht: Den großen Zeh im Meer baden, sondern ganz. Also ging es mit viel Gejaule und Gemotze ab ins Wasser. Und siehe da, hiermit bestätige ich ganz offiziell: Es war gar nicht schlimm. Ein bisschen kalt am Anfang, aber dann herrlich erfrischend. Möglicherweise ist das der Beginn einer neuen Freundschaft zwischen diesem großen Gewässer und mir.

 

Mir ist einmal mehr klar geworden, wie wichtig es ist, Meinungen, Einstellungen und Vorstellungen immer wieder zu überprüfen. Was sich gestern als stimmig und richtig angefühlt hat, kann heute ganz anders sein. Man verpasst so vieles, wenn man schlechte Erfahrungen oder Vorurteile mit sich trägt und sich dadurch einschränken lässt. Manchmal tut es einfach gut mutig zu sein, Dinge zu hinterfragen und über den eigenen Schatten zu springen. Mit einem Sprung hinein ins kühle Nass!

"Einfach schwimmen, einfach schwimmen, einfach schwiiiimmen schwiiimmen schwiiimmen."

Findet Nemo, Walt Disney


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