Liecht us und los goots!!!

5. Auf den Basler Morgenstreich gehen.

Letzte Woche am Sonntag Abend machte ich mich mit meiner Schwester auf den Weg nach Basel. Eine ihrer engsten Freundinnen hatte sie und glücklicherweise auch mich zu sich eingeladen. Unser Plan war ein Mädelsabend. Doch kein normaler Mädelsabend, denn das Ziel bestand darin am nächsten Morgen beziehungsweise mitten in der Nacht zum Basler Morgestraich zu gehen.

So saßen wir also gemütlich im Zug mit Pyjama und Zahnbürste im Gepäck. Glücklicherweise hatten wir es in Basel nur einen kurzen Fußweg weit, bis wir in einer herrlichen Wohnung standen. Insgesamt waren wir neun Mädels, Chips, Kekse und Waggis - es war herrlich! Waggis ist ein Mischgetränk aus Weißwein und Tonic Water und ich muss sagen sehr süffig! Es wird speziell in der Fastnachtszeit in Basel getrunken und das konnten wir uns natürlich nicht entgehen lassen.

Es war ein netter Abend und die Zeit ging rum wie im Nu. Ich habe mich relativ früh verabschiedet, denn ich hatte vor am Tag danach normal zur Arbeit zu gehen und die Nacht würde kurz werden. Die meisten anderen sind noch mitten im Studium und deshalb gerade in den Semesterferien. Sie hatten also Glück und mussten nicht ganz so diszipliniert sein, wie ich.

Ich holte mir also noch eine Mütze voll Schlaf, während der Rest fröhlich die Nacht durchmachte beziehungsweise irgendwann auf dem Sofa eingeschlafen ist.

Um 3 Uhr mitten in der Nacht klingelte mein Wecker. Beim Rest erwachten auch langsam wieder die Lebensgeister. Nachdem eine Runde Kaugummis verteilt wurde und jeder nochmal für kleine Mädchen war, ging es los.

Die Stadt war bereits voller Menschen. Die Stimmung war fröhlich und ausgelassen. Man konnte die Aufregung und Freude überall spüren.

Nach einer halben Stunde hatten wir ein Plätzchen gefunden. Leider waren wir zu spät dran, um auch nur annähernd am Straßenrand stehen zu können. Wir standen eher mittendrin. Das war für mich als kleiner Mensch eher suboptimal, aber für das nächste Mal weiß ich das und werde zeitiger dort sein.

Um Punkt vier begannen die Kirchenglocken zu läuten und in der ganzen Stadt gingen die Lichter aus. Gleichzeitig begannen aus allen Straßen und Ecken Piccolo Flöten und Trommeln zu spielen. Die Trommler und Pfeifer sind in grossen und kleineren Grüppchen vereint. Auf ihren Köpfen sind Lichter in Form von kleinen Laternen angebracht. Diese sind individuell verziert und teilweise sehr aufwändig bemalt. Man nennt sie Larven. Die Cliquen haben oft große Zuglaternen dabei. Sie werden getragen oder auf einen Wagen montiert und sind auch kunstvoll bemalt. Sie werden jedes Jahr neu gemacht und stellen politische oder gesellschaftliche Themen dar. Die Larven und Laternen sind die einzige Lichtquelle und tauchen die Innenstadt von Basel in ein wunderschönes Licht.

Bild: http://www.visitbasel.ch/basler-fasnacht/basler-fasnacht-2018.html

Der Moment an dem die Lichter ausgingen und aus allen Seitenstraßen die gleiche Melodie erklang war unglaublich. Ein richtiger Gänsehaut - Moment. Es hatte etwas magisches und der Klang blieb für den Rest des Tages in meinem Ohr. Der Basler Morgenstraich hat etwas unglaublich festliches, traditionelles. Es wurde nicht laut gefeiert oder gegrölt. Ich habe keine Randale oder ähnliches mitbekommen. Es war kein Fastnachtsumzug so wie ich ihn kenne. Es war mehr eine Feier der Stadt. Eine Gemeinschaft, die uns einen Einblick gewährt hat.

Es war ein Ruf an den Frühling, eine nette Verabschiedung vom Winter. Ein Neubeginn, ein Anfang. Der Anfang der Basler Fastnacht, der Anfang der schönen Jahreszeit und trotzdem eine große Wertschätzung von Tradition und Brauch. Die Verbindung von alt und neu.

Ich habe mich viel über die Bedeutung der einzelnen Bräuche durchgelesen. Was bei mir Hängen geblieben ist, ist aber folgendes: Die Basler Fasnacht ist ein Fest des Lebens und der Menschen. Es ist ein Fest der Gemeinschaft und ein Fest der Basler.

Ich bin froh, dass ich diese besondere Art Fastnacht zu feiern einmal miterleben durfte. Zwar war es weder meine favorisierte Uhrzeit noch kann ich mit kalten Temperaturen sonderlich anfreunden, aber es war ein einmaliges Erlebnis. Ich bin dankbar, dass wir so eine nette Unterkunft für die Nacht hatten und gut umsorgt waren. Das hat mir viel von der Aufregung genommen, weil ich mich an die lieben Mädels dran hängen konnte, die nicht zum ersten Mal beim Basler Morgestraich waren.

Ein weiteres Ziel meiner Liste ist erreicht und ich muss wirklich gestehen, dass es mich einiges an Überwindung gekostet hat. Mit ziemlicher Sicherheit wäre ich nicht zum Basler Morgestraich gegangen, um mich dort von den Klängen und der Atmosphäre verzaubern zu lassen, wenn die Liste nicht wäre.

Ich bin wieder ein kleines Stück über mich hinaus gewachsen und freue mich sehr, es mit dir teilen zu dürfen!

E scheeni Fasnacht mitenand!


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